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Wellenbewegung

In den letzten paar Tagen musste ich immer wieder an eine Liedzeile aus meiner Jugendzeit denken. Das von Manfred Siebald stammende Lied beginnt mit den Worten: „Ins Wasser fällt ein Stein“… „und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.“ Kleine Steine lassen auf der glatten Wasseroberfläche Wellen entstehen. Abhängig von der Größe des Steins sind auch die zu beobachtenden „Wellenberge“ und „-täler“. Manchmal erkennt man sie nur, weil ein auf dem Wasser schwimmendes Blatt anfängt zu schaukeln.
Vor einigen Jahren hatte ich für drei Tage die Freude, mit einem mittelgroßen Schiff auf dem Nordatlantik unterwegs zu sein. Dabei erlebte ich am zweiten Abend ein vom Wind aufgewühltes Meer. Während viele Mitreisende mit ihrer Übelkeit kämpften, beobachtete ich auf Deck die Schiffsbewegung. Der Bug des Schiffes hob oder senkte sich je nachdem, ob es einen Wellenberg hinauf oder in ein Wellental hinab ging.
Vor über einem Jahr erreichten uns die ersten Meldungen aus China über eine neue Viruskrankheit. Was weit weg und von uns kaum bemerkt begann, hat inzwischen die Welt verändert. Über unser Land sind schon drei Wellen gegangen. Sie haben unseren Alltag, unser Miteinander, unsere Gottesdienste, unser Leben verändert. Niemand weiß, wann es weitere oder andere Wellen mit Höhen und Tiefen in seinem Leben geben wird. Manchmal scheint es, als wären wir auf dem Ozean des Lebens in einem Paddelboot unterwegs.
Von den Jüngern Jesu lesen wir in den Evangelien (z.B. Lukas 8,22ff), dass sie auf dem See Genezareth in Seenot gerieten. Obwohl unter den Jüngern mit Wind und Wellen vertraute Seeleute/Fischer waren, gerieten sie in große Gefahr. Mit ihnen im Boot war aber auch Jesus. Doch erst als die Jünger nicht mehr weiterwussten und -konnten, wenden sie sich an ihn. Im scheinbar letzten Moment bitten sie Jesus um Hilfe. Jesu machtvolles Wort lässt den Wind verstummen und die Wellen sich legen. Sein Eingreifen rettet die Jünger aus der Gefahr. Drei Gedanken sind mir wichtig geworden:
1) Trotz Können und Erfahrung kann man in Gefahr kommen und der Untergang drohen.
2) Man muss nicht warten bis man nicht mehr weiterweiß oder -kann, bis mansich an Jesus wendet.
3) Wer Jesus nachfolgt, ist nie alleine unterwegs.

Volkmar Kaupert